…. Die für das Farbsehen nötigen Stäbchen und Zäpfchen im Vogelauge sind im Vergleich zum Menschenauge sehr unterschiedlich. Bei tagaktiven Vögeln weisen sie Öltröpfchen auf, deren Bedeutung noch unbekannt ist. Während die Zäpfchen im menschlichen Auge in den Nanometerbereichen um 450 (blau), 500 (grün) und 550 (gelb) die stärksten Neuronenreize auslösen, gibt es im Vogelauge fünf Zäpfchensysteme, deren Verrechnung (Neuronenverschaltung) weitgehend unbekannt ist. Die stärksten Reize werden bei vielen Vogelarten von Lichtwellen in den Nanometerbereichen um 360 (UV), 450 (blau), 480 (blaugrün), 510 (grün) und 570 (rot) ausgelöst. Viele Vögel “sehen” folglich auch Wellenlängen (360 bis 400 und 600 bis 700), die für Menschen nicht sichtbar sind. Die Farbwahrnehmung des Menschen erfolgt über komplementäre Reize, daher als Mischfarben. Infolgedessen kann der Mensch nicht zwischen der Emission einer Farbe und der entsprechenden Mischfarbe zweier Komplementärfarben unterscheiden. Der “Weißpunkt” (Wahrnehmung weißer Farbe) kann beispielsweise aus komplementären Blaugrün- und Rotgrün-Tönen entstehen oder aus komplementären Blaurot- und Grünrot-Tönen, und so weiter. Ob die Wahrnehmung von Vögeln ebenfalls nach diesem Modell erfolgt, ist unbekannt.
Die am besten untersuchten Vogelarten sind Tauben und Hühner. Die Forschung der Vogelphysiologie hatte ihren Höhepunkt in den 1970er Jahren. Seither gibt es kaum neue Forschungsprojekte auf diesem Gebiet.
Das Institut für Zoologie führt seit Jahren Anflugtests mit Kleinvögeln an Glasscheiben durch. Die Versuchsanordnung am Gründach der Universität Wien in der Althanstraße besteht aus freistehenden Rahmen, in die Testglasscheiben eingehängt werden. Vorgespannte Spezialnetze verhindern den Anprall anfliegender Vögel, halten sie jedoch bis zur Registrierung fest. Nach der Bergung werden die Wildvögel freigelassen. Von den unterschiedlichen Dekoren, die an den Scheiben bereits getestet wurden, hat sich bis jetzt nur jenes bewährt, bei dem 13 Millimeter breite Bänder in 13 Millimeter Abstand auf die Scheibe gedruckt wurden. Der personelle Aufwand dieser Feldstudien besteht vor allem in der regelmäßigen Kontrolle der Netze.
Verhinderung von Vogelkollisionen an Glaswänden
Hans Schmid, Vogelwarte Sempach/CH
Die Schweizerische Vogelwarte in Sempach bietet seit 1924 Information zum Vogelschutz für die Bevölkerung an. Seit den 1940er Jahren nimmt sich die Vogelwarte des Problems Vogelschlag an. Die schwarzen Vogelsilhouetten wurden vor zirka zehn Jahren aus dem Sortiment genommen, als ihre Wirkungslosigkeit belegt wurde. Derzeit werden noch gelbrote Vogelsilhouetten verkauft, weil Nachfrage und ein Mangel an Alternativen besteht. Empfohlen werden jedoch “Birdstrips” - vertikale Klebestreifen von 3M.
Ein Problem, nicht nur in der Schweiz, sind transparente Schallschutzwände entlang von Straßen, die von Anrainern aus ästhetischen Gründen verlangt werden. In einer Postevaluation wurde jedoch festgestellt, dass die meisten Anrainer auf Transparenz verzichtet hätten, wenn sie über das Problem des Vogelanpralls informiert gewesen wären. Mittlerweile sind sich die Projektanten des Problems bewußt und suchen nach Lösungen, die häufig in Klebestreifen bestehen.
An einer Straße im Oberwallis wurden in einem sechsmonatigen Feldversuch verschiedene Klebestreifenmuster getestet. Die meisten waren vertikal, weiß, schwarz oder transluzid. Es wurde eine Verminderung des Vogelanpralls um 80 bis 90 Prozent festgestellt, jedoch keine gesicherter Unterschied zwischen den Mustern. Es wurde außerdem festgestellt, dass Gehölzbewuchs in Nachbarschaft der Glasscheiben rund vier Mal höhere Kollisionsraten verursacht, als dies im offenen Gelände der Fall ist. Die Ergebnisse wurden in Natur und Landschaft 11/2000 publiziert.
Volierenversuche mit UV-absorbierenden Streifen ergaben keine eindeutigen Ergebnisse, was möglicherweise auf Panikreaktionen der Versuchsvögel und zu große Abstände zwischen den Streifenmustern auf den Scheiben zurückzuführen ist.
Zur Zeit wird das EU-Handbuch “COST 341 - Habitat Fragmentation due to Transportation Infrastructure” vorbereitet, in das auch Vogelschutz an Lärmschutzwänden einfließen soll.
noch viel mehr: http://www.wien.gv.at/wua/2003/workshop-vogelschlag.htm